28.03.2005

"Die Revolution war nicht geplant" Ex-Parlamentarier Ramazan Dyryldaev: Akajew hat Millionen Dollar
abgezweigt

von Adelheid Wolfl Wien/Bischkek – "Ich habe soeben mit Kulow telefoniert. Er sagt, er musse nun zwei Tage ausruhen", sagt Ramazan Dyryldaev, der Leiter der Helsinki-Foderation in Kirgistan, der gerade in Wien weilt. Er ist ein personlicher Freund des Oppositionspolitikers, der nun nach funf Jahren Haft
freigelassen wurde und bereits wieder Sicherheitsminister ist. Dyryldaev selbst musste aus Kirgistan fluchten, um einer Verhaftung zu entgehen. Sein Buro wurde besetzt, das Regime versuchte den Menschenrechtsaktivisten mit Gerichtsverfahren mundtot zu machen.

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NGO
Spendensysteme fur NPOs: e-spende.at bezahlte EinschaltungenUnbeliebt gemacht hat er sich, als er mit anderen Parlamentariern in den 1990ern die Geschaftspraktiken von Prasident Akajew unter die Lupe nahm – insbesondere den Handel mit Gold. Akajew habe Millionen Dollar abgezweigt und ins Ausland gebracht, so Dyryldaev. "Akajews Tochter Saadat wohnt seit 2003 in Wien und arbeitet in einer Firma, die mit Gold handelt", erzahlt er. Das Gold stamme aus der Kumtor-Mine in Kirgistan. Auch Asyia Sasykbaeve, die fur die NGO Interbilim in Bischkek arbeitet, die sich fur faire Wahlen einsetzte, meint: "Soweit ich wei?, ist sie in Wien."

Der Trick mit den Pferden

Am Freitag haben die wichtigsten NGOs in Bischkek dazu aufgerufen, die neue Regierung zu unterstutzen. "Die Revolution war nicht geplant", erzahlt Sasykbaeve. "Sie wurde von der Regierung selbst provoziert, weil sie Kriminelle gegen die Demonstranten losgelassen hat." Als die Polizei auf den Pferden gekommen sei, waren die Demonstranten zuerst davongelaufen, dann seien sie plotzlich umgekehrt und die Pferde seien geflohen. "Die Leute aus den Dorfern wissen eben, wie Tiere reagieren."

"Die Geschehnisse zeigen die Personlichkeit von Akajev und den Zynismus gegenuber dem eigenen Volk", sagt Dyryldaev. Die Regierung habe etwa Gegen-NGOs gegrundet, um die Arbeit der NGOs zu behindern. "Wir sind aber unterstutzt worden, etwa von Botschaften, auch der amerikanischen", so Dyryldaev. "Etwa als unsere Internetseiten von der Regierung gesperrt wurden." (DER STANDARD, Printausgabe, 26.3.2005)